Kinderärztliche Versorgung

Veröffentlicht am 14.10.2018, 17:15 Uhr     Druckversion

Foto: Martin Habersaat, MdL

SPD bringt das Thema im Landtag auf die Tagesordnung:

Mehr Kinder, umfangreichere Vorsorge, verbesserte Impfmöglichkeiten – eine Reihe positiver Entwicklungen führen zu einem Problem:


In einigen Teilen des Landes ist es für Familien schwer, einen Termin beim Kinderarzt zu bekommen. Deutlich wurde das Problem zuletzt auch in Glinde, als die einzige niedergelassene Kinderärztin für mehrere Monate ausfiel und die Versorgung von umliegenden Praxen mit übernommen werden musste. Der Landtagsabgeordnete Martin Habersaat (SPD) hatte dazu im Mai ein Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSH) geführt, jetzt berichtete auf Antrag der SPD-Landtagsfraktion Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) dem Landesparlament. 

Besonders im Hamburger Rand komme es zu Problemen, räumte Garg ein. Die Schwierigkeiten seien dem Ministerium bekannt, genaue Zahlen lägen aber nicht vor. Die Ursachen sind vielfältig: Aufgabenstellung und Arbeitsumfang der Kinderärzte haben sich geändert. Es sind zusätzliche empfohlene Vorsorgeuntersuchungen hinzugekommen, beispielsweise die U7a, in der es u.a. um Zahnentwicklung, Sprache und Impfungen geht. Zu den Vorsorgeuntersuchungen U4 bis U9 wird vom Landesamt für Soziale Dienste eingeladen. Wer der Einladung nicht nachkommt, erhält eine Erinnerung oder das Jugendamt besucht die Familie. Dadurch nehmen heute, anders als früher, alle Kinder die Vorsorgeuntersuchungen wahr.  Auch der Umfang von Untersuchungen hat zugenommen. Hinzugekommen sind auch neue Impfungen, die zuweilen eine ausführliche Beratung erfordern. Erkrankungen, die früher eine stationäre Aufnahme erforderlich machten, können heute ambulant behandelt werden. Auch die Zahl chronischer Erkrankungen, die regelmäßige Behandlungen erfordern, ist gestiegen.

Es gibt also eine Reihe medizinisch-fachlicher Gründe für den gestiegenen Aufwand in Kinderarztpraxen. Zudem gibt es seit einigen Jahren wieder mehr Kinder in Schleswig-Holstein, auch das führt zu mehr Untersuchungen und stärker ausgelasteten Kinder- und Jugendarztpraxen. Trotzdem ist Schleswig-Holstein rechnerisch mit Kinderärzten überversorgt, in allen Bezirken gibt es eine Zulassungssperre für neue Kinderärzte. Wie kommt das? Grundlage für die rechnerische Festlegung des Bedarfs ist die Vertragsärztliche Bedarfsplanung, deren Grundzüge vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) in der Bedarfsplanungsrichtlinie festgelegt werden. Der Landesausschuss mit Krankenkassen und KVSH kann von dieser Richtlinie abweichen, wenn regionale Besonderheiten dies erforderlich machen. Das wurde in den vergangenen Jahren beispielsweise in Ahrensburg und in Schwarzenbek getan.

Heute gibt es 205,5 zugelassene Kinderarztsitze in Schleswig-Holstein, auf denen 224 Kinderärztinnen und Kinderärzte praktizieren, 20,5 Prozent von ihnen in Teilzeit. Das Durchschnittsalter liegt bei 53 Jahren, viele Kinderärzte haben die 60 überschritten. Habersaat: „Wir kennen die Probleme und wissen, wo heute Engpässe liegen und wo sie sich in Zukunft verschärfen werden. Jetzt müssen wir die wenigen Ansatzpunkte nutzen, die das Land hat, um für eine Verbesserung der Situation zu sorgen. Die Bedarfsrichtlinien, auf deren Grundlage die angebliche Überversorgung berechnet wird, werden auf Bundesebene festgelegt. Diese Festlegung erfolgte vor den jüngsten Änderungen bei den Vorsorge-Untersuchungen und muss überarbeitet werden. Hierzu kann das Land den Bund auffordern.“ Gesundheitsminister Garg forderte zudem eine Neuordnung der Budgetierungsregeln oder deren Abschaffung, da diese vor allem in Stadtteilen mit wenig Privatpatienten zu Problemen führen. Garg brachte es im Landtag auf den Punkt: „Erbrachte Leistungen müssen auch vergütet werden.“ Eine bessere Abstimmung mit Hamburg in der kassenärztlichen Versorgung brachte Bernd Heinemann, der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion ins Spiel. Das könne auch eine Aufgabe für den gemeinsamen Ausschuss für die Zusammenarbeit beider Länder sein.  

 

Links:

Bericht des Ministers und Landtagsdebatte

Bericht zum Gespräch mit der KVSH im Mai

Hintergrund Früherkennungsuntersuchungen

GBA-Richtlinien

KVSH

Gemeinsamer Ausschuss Hamburg / Schleswig-Holstein

Homepage: Martin Habersaat, MdL


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