SPD Hohenlockstedt

Wilhelm Käber

Wilhelm Käber – ein Lebenslauf

Wilhelm Käber wurde am 27. 12. 1896 in Duderstadt als Sohn eines preußischen Polizeibeamten geboren. Nachdem sein Vater in die Provinz Posen versetzt worden war, wuchs Käber in Bartschin auf. Hier besuchte er die Volksschule und wechselte anschließend zur Realschule nach Hohensalza. Nach deren Abschluss entschied Käber sich für die Lehrersausbildung. Er studierte an der Präparanden-Anstalt von Pleschen a. d. Prozna und ab 1914 am Lehrerseminar in Krotoschin. 1914 bis 1918 war er Soldat. Nach dem ersten Weltkrieg verlegte er, aus Posen vertrieben, seinen Wohnsitz nach Schlesien. Er übernahm den Posten eines Lehrers im Bergarbeiterdorf Fellhammer im Kreis Waldenburg. Hier trat er der SPD bei und war von 1921 bis 1925 Gemeinderat und Kreistagsabgeordneter.  Es war für Käber eine politisch sehr ergiebige Zeit. Er setzte sich für eine bessere Bildung der Arbeiterkinder ein und bemühte sich, die Situation der sozial Benachteiligten zu verbessern. 1925 bot man ihm die Stelle eines Kreisbeamten in Calau in der Niederlausitz. Nach der Machtergreifung entließen die Nationalsozialisten Wilhelm Käber aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des deutschen Berufsbeamtentums, einer üblen Nazi-Machenschaft. Nach weiteren Diskriminierungen floh er nach Berlin, um dort vorübergehend unterzutauchen. Hier ergaben sich neue Kontakte zur SPD.

1936 zog Wilhelm Käber mit seiner Familie nach Hamburg, wo er sich als Vertreter durchschlug. 1939 entdeckte man ihn und zog ihn aufgrund seiner Erfahrungen und Kenntnisse in der Behandlung von Waffen und Munition ein. Beim Polenfeldzug erlitt Käber schwere Verwundungen, so dass an einen Fronteinsatz nicht mehr zu denken war. Er wurde zunächst in der Heeresmunitionsanstalt Munsterlager und schließlich in Lockstedter Lager eingesetzt. Die in Hamburg ausgebombte Familie folgte 1943.

Nach der Kapitulation setzten die englischen Behörden im Lockstedter Lager  im Dezember 1945 eine Gemeindevertretung ein, der auch Wilhelm Käber angehörte. Die Vertretung wählte ihn zum ehrenamtlichen Bürgermeister. Die SPD-Mehrheit im Steinburger Kreistag wählte ihn schließlich am 24. 10. 1946 zum ehrenamtlichen Landrat. Nach dem Wahlsieg der SPD bei der Landtagswahl am 20. 04. 1947 übernahm Käber den Sitz als Landtagsabgeordneter. Die Regierung Hermann Lüdemann ernannte ihn darüber hinaus zum parlamentarischen Vertreter des Innenministers und am 10. 11. 1950 zum Innenminister. Ab 29. 08. 1949 war er gleichzeitig stellvertretender Ministerpräsident. Nachdem die SPD die Landtagswahl am 09. 07. 1950 verloren hatte, übernahm Käber vom 03. 10. 1953 bis 18. 10. 1966 die Aufgabe des SPD-Fraktionsvorsitzenden und Oppositionsführers im Landtag.

Im zweiten Landtag von 1946 bis 1947 war Käber Vorsitzender des Ausschusses für Verfassung und Geschäftsordnung und einer der Schöpfer der Landessatzung. Der Landtag wählte Wilhelm Käber zum Mitglied der dritten (01. 07. 1959) und vierten (01. 07. 1964) Bundesversammlung.  Käber erhielt am 18. 10. 1963 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland. Zu Recht wurde die Realschule mit Hauptschulteil in Hohenlockstedt nach Wilhelm Käber benannt. Wilhelm Käber starb am 19. 11. 1987.

Friedrich Kortüm

Quellen: Broschüre "Farnk Lubowitz: Wilhelm Käber - Regierung und Opposition

Parteizeitung "Holo im Blickpunkt", Ausgabe 1-2007