SPD Hohenlockstedt

Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky - Krieg dem Kriege

Das nachfolgende Gedicht, das auszugsweise wiedergegeben wird, hat Kurt Tucholsky im Jahre 1919 geschrieben. Es zeigt die Weitsicht dieses genialen Kritikers und bedeutenden Satirikers. Er vertrat einen „linksgerichteten pazifistischen Humanismus“. wie zahlreiche andere Sozialdemokraten auch. Tucholsky sah nicht nur die Folgen eines ungerechten Friedens voraus, sondern auch das Ergebnis des bornierten und gemeingefährlichen Nationalismus, der schließlich zu dem Verbrechersyndikat führte, welches als Drittes Reich in die Geschichte eingehen sollte. Seine Zeilen stellen eine zeitlose Friedensbotschaft dar.

Brüder! Brüder! Schließt die Reihn!

Brüder! das darf nicht wieder sein!

Geben sie uns den Vernichtungsfrieden,

ist das gleiche Los beschieden,

unsern Söhnen und euren Enkeln.

Sollen die wieder blutrot besprenkeln

die Ackergräben, das grüne Gras?

Brüder! Pfeift den Burschen was!

Es darf und es soll so nicht weitergehn.

Wir haben alle, alle gesehn,

wohin ein solcher Wahnsinn führt -

Das Feuer brannte, das sie geschürt,

Löscht es aus! Die Imperialisten,

die da drüben bei jenen nisten,

schenken uns wieder Nationalisten.

Und nach abermals zwanzig Jahren

kommen neue Kanonen gefahren –

Das wäre kein Friede. Das wäre Wahn.

Der alte Tanz auf dem alten Vulkan.

Du sollst nicht töten! hat einer gesagt.

Und die Menschheit hörts, und die Mehrheit klagt.

Will das niemals anders werden?

Krieg dem Kriege! Und Friede auf Erden.

Geboren am 09. Januar 1890 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Berlin. Ab 1909 Jurastudium in Berlin und Genf. Beiträge und Gedichte für den „Vorwärts“, das Zentralorgan der SPD. 1912 erschien sein Roman „Rheinsberg“. Ab 1913 arbeitete er für die „Schaubühne“, 1918 wurde er Chefredakteur der Zeitschrift „Ulk“. 1915 erfolgte die Einberufung zum Heer, 1920 wurde er Mitglied der USPD. Ab 1924 schrieb er unter verschiedenen Pseudonymen auch für die „Weltbühne“, deren Herausgeber er 1926 wurde. Weitere bedeutende Werke: „Deutschland, Deutschland über alles“ (1929) und „Schloss Gripsholm“ (1931). 1933 verbrennen die Nationalisten seine Bücher. Am 21. Dezember 1935 beging Kurt Tucholsky Selbstmord in Hindas, Schweden. Die Gründe für den Freitod sind nicht bekannt. Da er jedoch in den letzten Lebensjahren resignierte und aufhörte zu publizierten, liegt die Vermutung nahe, dass er sich aufgrund der politischen Verhältnisse im Deutschen Reich das Leben nahm. Seine klagenden Wort: „Gegen einen Ozean pfeift man nicht an“.

Friedrich Kortüm

Bildnachweise: Kurt Tucholsky, „So siehst du aus!“, Bertelsmann-Verlag; Internet: dieweltbuehne.de