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Kalenderblatt Juni 2014

Im Kalenderblatt erinnern wir monatlich an Personen und Ereignisse, die (nicht nur) für unsere Partei von Bedeutung waren

7. Juni 1869 - vor 145 Jahren:

Heinrich Ströbel wird in Bad Nauheim geboren

Im Juni-Kalenderblatt erinnern wir an Heinrich Ströbel, Parlamentarier, Journalist und kurzzeitiger Preußischer Ministerpräsident, der als überzeugter Pazifist im und nach dem Ersten Weltkrieg wirkte und in verschiedenen sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien, hauptsächlich aber in der SPD, für seine Überzeugungen stritt

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Heinrich Ströbel

Heinrich Ströbel versuchte es nach seinem Schulabschluss zunächst mit einer kaufmännischen Ausbildung, brach diese jedoch bald ab und erarbeitete sich im Selbststudium Kenntnisse in Volkswirtschaftslehre und Literaturgeschichte. Mit 20 Jahren trat er in die SPD ein, die noch durch das Sozialistengesetz massiven Verfolgungen und Pressionen ausgesetzt war. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg schrieb er für verschiedene sozialdemokratische Zeitungen und war für seine polemischen Artikel bekannt. 1900 wurde er Redakteur des "Vorwärts" und übernahm dort 1914 den Posten des Chefredakteurs. Von 1908 bis 1918 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

Die SPD trat im Kaiserreich stets für den Frieden in Europa ein - Kriege dienten immer nur den Interessen der herrschenden Klassen und nicht der breiten Bevölkerungsschichten, brachten diesen immer nur Not, Entbehrungen und Hunger. Diese pazifistische Grundhaltung hatte bis zum Weltkrieg eine deutliche Mehrheit in der SPD. Die Sozialdemokraten sahen in einer europäischen Allianz der sozialdemokratischen Parteien ("Zweite Internationale") daher eine Möglichkeit, den lange befürchteten Krieg zu verhindern ("Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter"). Als jedoch im Sommer 1914 nach der Ermordung des österreichischen Thronerbenpaars in Sarajevo und dem Ultimatum Österreich-Ungarns an Serbien die ersten Kriegserklärungen folgten, warfen die sozialdemokratischen Parteien in Europa sehr schnell ihre früher proklamierten internationalistischen Ziele über Bord und erklärten sich mit ihren nationalen Regierungen solidarisch. So wurde auch im Deutschen Reich ein sog. "Burgfrieden" zwischen der kaiserlichen Regierung und der parlamentarischen Opposition (Sozialdemokraten und Linksliberale) geschlossen; bis zum Sieg wollte man die innenpolitischen Konflikte zurückstellen.

Zur Finanzierung der Kriegshandlungen und der Rüstung waren im Reichstag Kriegskredite zu bewilligen, und eine sehr deutliche Mehrheit der SPD-Reichstagsfraktion stimmte diesen Kriegskrediten zu - im Parlament erfolgte dann die Zustimmung ohne Gegenstimmen.

Heinrich Ströbel - aber auch andere prominente Sozialdemokraten wie Karl Liebknecht, Hugo Haase, Karl Kautsky und Otto Rühle - konnte und wollte diese Umkehr der SPD nicht mittragen. In Artikeln und Reden agitierte er gegen die Kriegspolitik der SPD. "Sozialismus - das hieß für ihn Freiheit, Humanität, Gerechtigkeit, gesellschaftliche Höherentwicklung", so Ströbels Biograph Lothar Wieland.

Als sich 1917 die innerparteiliche Opposition von der SPD abspaltete und die Unabhängige Sozialdemokratische Partei gründete, verließ auch Heinrich Ströbel die SPD und wechselte zur USPD. Nach dem Untergang der deutschen Monarchien 1918 übernahm er am 14. November 1918 zusammen mit Paul Hirsch die Geschäfte des Ministerpräsidenten in der preußischen Revolutionsregierung, gab dieses Amt aber bereits am 4. Januar 1919 wieder auf und arbeitete als politischer Journalist bei der "Weltbühne", die später von Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky geleitet wurde. Als sich 1920 der linke Flügel der USPD, der die Mehrheit in der Partei stellte, mit der neu gegründeten KPD vereinigen wollte, spaltete sich die USPD und Heinrich Strobel kehrte zur SPD zurück - ohne jedoch seine pazifistische Grundhaltung zu ändern. 1924 wurde er in den Reichstag gewählt, dem er bis 1932 angehörte.

Obwohl Heinrich Strobel 1931 in den Vorstand der SPD gewählt wurde, verließ er erneut die Partei und schloss sich der neu gegründeten Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) an und gehörte dort zum Parteivorstand mit Kurt Rosenfeld und Max Seydewitz. Die SPD hatte in der letzten Phase der Weimarer Republik eine oft unklare Politik betrieben und hatte für viele Kritiker keine konsequente Haltung zugunsten der Arbeiter- und Arbeitnehmerschaft eingenommen. Viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, so auch der junge Willy Brandt in Lübeck, schlossen sich daher der SAP an, die wieder eindeutig den Sozialismus als Ziel proklamierte und auch für ehemalige KPD-Mitglieder attraktiv war, denen die KPD zu "moskauhörig" war.

Allerdings hielt es Heinrich Ströbel nicht lange in der SAP, bereits Anfang 1932 kehrte er zur SPD zurück, da auch die neuen Genossen in der SAP seine radikal-pazifistische Einstellung nicht teilen wollten.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 emigrierte Heinrich Strobel in die Schweiz, wo er am 11. Januar 1944 starb.

Das politische Leben Heinrich Strobels spiegelt den Weg vieler Sozialdemokraten im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Anfangs noch radikale Opposition gegen die Monarchie, dann die Mitwirkung an der Kriegspolitik ab 1914, eine wachsende Skepsis am Weg der Mehrheits-SPD, die Trennung von der Partei 1917, die wachsende Radikalisierung während der Deutschen Revolution 1918, die Abgrenzung zu den Kommunisten und damit verbunden die Rückkehr zur SPD 1920 bei gleichzeitiger Beibehaltung der kritischen Begleitung der sozialdemokratischen Politik in der Weimarer Republik - viele Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gingen genau diesen Weg.

Okke Wismann (Kontakt)



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